Welt

Vorwort


Werter Leser,

in Band 1 "Die Schöpfungsgeschichte" der Buchreihe "Mythen & Wahrheit: eine Chronik" wurdet Ihr durch die Entstehung der Elemente und deren Götter geleitet. Die Formung von Erde, Wasser, Feuer und Luft unter Ausschluss der Annihilation, die Erweckung von Gaia, Pontos, Helios und Aither sowie die Götterkämpfe gegen Helios kosteten dem Gemahl der Erdgöttin das Leben. Mit diesem schicksalhaften Ereignis am Fjord der Elemente endet Buch 1. Doch wo eine Sache endet, beginnt eine neue: Band 2 thematisiert die Ereignisse nach dem Tod des Urvaters - die Geschehnisse der ersten Zeitepoche (EZ).



Kapitel 1: Die Umwelt Negaias


Negaia war gerettet - vorerst. Helios zog sich entkräftet zurück und die anderen Götter konnten sich an den Aufbau der Welt wagen. Petros einstiger Plan bestand aus mehr als nur dem Ordnen des Chaos. Er wollte eine lebendige, große Welt erschaffen, voll von Wundern und Möglichkeiten, wie es sich kein Lebewesen Negaias ersinnen kann. Da Petros jedoch starb, mussten sich die Götter ohne Unterstützung des Urvaters an die Umsetzung des großen Plans machen. Einige Jahrzehnte lang erschufen sie mittels gezielter Kombination der Elemente Erze, Salze, verschiedenste Gesteinsarten, Gase und Flüssigkeiten - also Ressourcen, die sie für ihr späteres Vorhaben benötigen würden.
Gaia begann als Erste, sich den komplexen Wesen zu widmen. Die Hüterin der Landmassen verwandelte die braune Erdmasse in fruchtbaren Nährboden für ihre erste Lebendschöpfung: die Pflanzen. Von den einfachen Gräsern über Farne, Sträucher und Bäume bis hin zu den farbenprächtigsten Blumen wuchs Stück für Stück die Palette der Landpflanzen.
Pontos, Herr des flüssigen Elementes, gab der größten Wassermasse den Namen Aperanmeer und wählte es als seinen Wohnsitz. Er sah die stetig wachsende Blütenpracht der Landmassen und begann Wasserpflanzen verschiedenster Art in Seen, Flüssen und im Meer Negaias anzusiedeln.
Aithers Aufgabe war weiterhin, das Chaos von Urvaters Schöpfung fernzuhalten. Sein Element ist die letzte Grenze zwischen dem Chaos und der Ordnung und die einzige Möglichkeit, Helios Flammen in Schach zu halten. Er erschuf zunächst keine Lebendschöpfung; der Gott der Lüfte erschuf dagegen den sanften Wind, der den Blättern Gaias das Rascheln und Tanzen, den Wassertropfen Pontos das Schweben und Prasseln lehrte.
Helios, der nach dem Kampf mit Petros stark verwundet war und sich in die Nähe des Chaos zurückzog, leckte seine Wunden. Am Rande Negaias plante er die nächsten Schritte; wohl wissend, dass Aither und die anderen Götter ihn im derzeitigen Zustand auslöschen könnten. Dem Feuergott waren die Schöpfungen der Anderen nicht entgangen; er nutzte diesen Umstand zur Erholung, da alle mit ihren eigenen Plänen beschäftigt waren und ihn weitestgehend in Ruhe ließen, wenn er keine aggressiven Aktionen unternahm. Insgeheim störten ihn die Kreationen der Götter, da sie so ihre Herrschaft in Negaia ausbauten und es immer schwerer werden würde, sie und ihre Elemente zu vernichten. Er brauchte ebenfalls eine Schöpfung - doch ein Teil seiner Macht war im Inneren Negaias noch immer gefangen und er konnte sich keine Provokation, geschweige denn einen Kampf leisten. Helios blieb nur eine Möglichkeit: er musste außerhalb der Luftgrenzen agieren - trotz der Gefahr, die vom Chaos ausging. Er erschuf einen riesigen Flammenball, hell leuchtend und heiß, und sandte die Feuerkugel auf eine Laufbahn um Negaia herum. (In "Sternenlichttheorem" von Rik Itep sind detaillierte Ausführungen zu den Planetenkonstellationen zu finden.) Helios Sonne spendete Licht und Wärme ohne zu Verbrennen - ein Zeichen guten Willens und der Versuch, die anderen Götter zu überzeugen, dass sein Element keineswegs nur zerstörerisch wirkt, sondern auch nützlich sein kann. Insgeheim war es ein Beweis seiner Macht, dass seine Schöpfung ohne Aithers Luftgrenzen zum Chaos auskommt und wortwörtlich über Gaias Lebendschöpfung, Pontos Aperanmeer und Aithers Stürmen steht.
Gaia fuhr währenddessen mit der Besiedelung der Landmassen fort. Nach den Pflanzen folgten die Tiere, die ihre Wälder und Wiesen bewohnen sollten. Pontos folgte ihr und formte Fische, Korallen und allerlei Meeresgetier, welche das Aperanmeer sowie die Tümpel und Seen der Welt bewohnten. Aither widmete sich den Vögeln, Greifen und den seltenen, überaus scheuen Drachen, die die Lüfte ihr Zuhause nennen.



Kapitel 2: Die Entstehung der Völker


Die mittlerweile bewohnte Welt konnte Gaia nicht über den Verlust ihres Gatten hinwegtrösten. Der Schmerz saß tief; In Trauer und Sehnsucht formte Gaia hochkomplexe Wesen, die dem Urvater und ihr selbst ähnlich waren - die Menschen, das erste Volk Negaias.
Bald darauf erschuf Pontos auf einem kleinen Eiland inmitten des Aperanmeeres Stellvertreter seines Elementes - die Wesen der Flumaren - und ließ sie mit ihren Essenzkugeln des Wassers an Land gehen, auf dass sie friedlich mit den Menschen zusammenlebten.
Beide Völker bauten zu Ehren der Götter am Fjord der Elemente, wo der heilige Vater starb, prächtige Tempelanlagen und gründeten im Jahre 1178 EZ dort den Rat der Götter. Die Aufgaben des Rates umfassten die Wahrung des Friedens und die Verabschiedung von Gesetzen für ein geordnetes Leben auf Negaia. Gaia und Pontos schenkten dem Rat jeweils ein Totem, welche jeweils einen kleinen Teil ihrer Selbst enthält, um dem Rat eine Möglichkeit zu bieten, mit ihnen Kontakt zu halten.
Aither entsandte 1257 EZ ebenfalls Wesen seines Abbildes als Vertreter seines Elementes in den Rat der Götter - die Langren. Als Nomaden wandern sie frei und ungebunden umher wie der Wind ihres Schöpfers. Auch Aither band einen kleinen Teil seiner Selbst in das Lufttotem und verwob es mit den anderen beiden Totems für eine funktionierende Kommunikation.
Helios beobachtete die Machenschaften der anderen Drei und wollte ebenfalls sein Element durch eigene Wesen im Rat der Götter vertreten sehen. Er hatte nicht vergessen, dass die anderen Götter ihn und sein Feuer auslöschen wollten und bereitete sich vor. Er bat um Audienz bei Gaia, Pontos und Aither auf Negaia und stimmte der Bedingung zu, seine Flammen hinter den Grenzen Aithers zurück zu lassen. 1529 EZ fand die Große Konjunktion - das Treffen der Götter - an einem Ort statt, der seit diesem Tag Apoginatischer Krater genannt wird. Nach langer Beratung gestatteten Gaia, Pontos und Aither die Formung seiner Vertreter und deren Ansiedelung auf Negaia, solange sie sich an den Frieden und die Gesetze des Rates hielten. Helios willigte ein und besiegelte feierlich dieses Ergebnis, indem er wie die Drei zuvor einen winzigen Teil seiner Göttlichkeit zu einem Totem formte und es mit den anderen Elementsymbolen verband, sodass der Rat nun Kontakt zu allen vier Göttern halten kann. Um das Feuervolk - die Alben - zu erschaffen, musste Helios aufgrund der Abmachung mit Aither die nötige Kraft aus der gebundenen Glut im Inneren Negaias ziehen. Doch die Geburt der Flammenwesen entfesselte die unbändige Kraft des gefangenen Feuers und verursachte eine Eruption ungeheuren Ausmaßes. Fassungslos sahen Gaia, Pontos und Aither das zerstörte Gebiet um sich herum; sofort versuchte Aither die Flammen mit seinen Winden auszublasen, doch Helios war vorbereitet. Je stärker die Stürme über den Krater hinwegfegten, desto größer wurde das Flammenmeer. Gaia nahm den Kampf mit Helios auf, um ihn erneut an der Zerstörung Negaias zu hindern. Aither zog seine Winde über dem Krater ab und unterstütze Pontos dabei, das Feuer mit dem flüssigen Element zu löschen. Sie mussten einen Großteil des Meerwassers verwenden, fluteten dabei aber weite Teile des Landes. Die drei Götter konnten dem Feuer Einhalt gebieten und mit Gaia den Kampf gegen den Flammengott gewinnen. Sie drängten ihn in den Krater zurück, wo er hinab in das Innere Negaias fiel. Gaia bewegte die Erdmasse und versiegelte die Öffnung, um Helios am Aufstieg zu hindern; er solle für immer dort unten bleiben. Der Herr der Flammen errichtete im Inneren den Orcus, die Unterwelt: seine neue Heimat und die Geburtsstätte der Toten. Einzig die Insel Tartanis in der Mittelwelt ist mit dem Orcus über eine kleine Öffnung verbunden. Die anderen Götter schufen sich einen neuen Rückzugsort, als sie aus einem kleinen Teil Negaias die Oberwelt "Haimdall" formten. Nach der Vollendung der Oberwelt zogen sie sich erschöpft zurück und überließen ihren Kindern die Welt. (Anmerkung des Autors: weitere Details zum Orcus, Tartanis, der Mittelwelt und Heimdall sind im Buch "Leben und Sterben in Negaia: eine astralwissenschaftliche Abhandlung" von Gerjok Dormunek beschrieben.)

Die Entfesselung des gefangenen Feuers, die Flut sowie der Götterkampf hatten Negaia erneut schwer beschädigt. Die Überlebenden der vier Völker trafen sich ein letztes Mal im Rat der Götter im Jahre 1530 EZ. Die Tempelanlagen sowie drei der vier Totems waren zerstört. Der Rat - oder das, was von ihm übrig war - konnte nach dem göttlichen Rückzug keinen Kontakt mehr zu ihnen herstellen. Auch das verbliebene Lufttotem funktioniert aus bis heute ungeklärten Gründen nicht mehr. Führende Astralwissenschaftler vermuten heute die verlorene Verbindung zu den anderen Totems dahinter. Ein großes Problem für den Rat der Götter und letztendlich für die Einigkeit aller vier Völker: Ohne die weise Führung und die Hilfe der Götter führte das eine Wort zum anderen und mündete in einem Streit, da jeder die Schuld der Verwüstung beim Gott des anderen Volkes suchte. Man beschloss, dass die Völker ihren eigenen Weg in Krieg und Frieden gehen sollten. Als Folge dieses Beschlusses wurde der Rat der Götter aufgelöst und die Vier Völker machten sich an den Wiederaufbau der Welt.
Die Auflösung des Rates der Götter durch die Wesen Negaias beendet die erste Zeitepoche. Das Jahr 1530 EZ ist zugleich Jahr 0 der Zweiten Zeitepoche (ZZ). Mit dem Ende der EZ endet auch dieses Buch; Interessierte können in Band 3 "Geschehnisse der Zweiten Zeitepoche" ihr Wissen über besagten Zeitabschnitt erweitern.